Achtsam in eine neue Perspektive

Wenn Du die Berührung mit der inneren Stille verlierst, verlierst Du den Kontakt mit Dir selbst. Wenn Du den Kontakt mit Dir selbst verlierst, verlierst Du Dich in der Welt.“ 

(Eckhard Tolle)

Worum geht’s?

Der Begriff Achtsamkeit scheint heute allgegenwärtig und in aller Munde. Wer etwas auf sich hält, lebt achtsam. Aber was bedeutet das eigentlich konkret und worin genau liegt die viel zitierte zutiefst heilsame Wirkung?!

Eine der in der Forschungsarbeit am häufigsten verwendeten Definition stammt von Jon Kabat – Zinn. Demnach ist Achtsamkeit, wenn wir in andauernder und bestimmter Weise aufmerksam sind: mit Absicht, im gegenwärtigen Moment und ohne Beurteilung.

Klingt jetzt nicht nach Wundermittel auf den ersten Blick…

Aber wenn wir uns mal genauer fragen, wann wir zuletzt wirklich mit all unseren Sinnen auf einen Moment konzentriert waren, fällt eine ehrliche Antwort darauf ziemlich dürftig aus. 

Denn wo sind die meisten von uns während der meisten Zeit? Auf jeden Fall nicht im gegenwärtigen Moment.

Unseren Alltagstrott erledigen wir doch überwiegend ziemlich mechanisch, wie auf Autopilot sozusagen. Gleichzeitig sind wir währenddessen im Geiste damit beschäftigt, entweder gerade Vergangenes noch einmal durchzukauen oder zukünftige Szenarien durchzuproben. 

Dank moderner Technik können wir so viele Dinge gleichzeitig erledigen. Hand auf’s Herz,  wann hast Du zuletzt während einer Mahlzeit gleichzeitig auf das Display Deines Handys geschielt?….Und wann hast Du  stattdessen zuletzt eine Mahlzeit wirklich mit allen Sinnen genossen?…

Aber auf diese Weise entgeht uns etwas ganz Entscheidendes: Nämlich unser eigenes Leben, wie es sich von Moment zu Moment entfaltet.

Dabei ist achtsam mehr, als nur präsent zu sein. Es genügt also nicht, den Augenblick einfach zu leben. Es bedarf darüber hinaus noch der bewussten Wahrnehmung desselben. Erst dann können wir die Möglichkeiten und das Potential des jeweiligen Augenblicks erfahren.

Was uns entgeht

Dass wir uns zu selten auf uns und den jeweiligen Augenblick besinnen hat Folgen, die Du vielleicht auch aus Deinem Leben kennst: 

  • Wenn wir nicht achtsam sind, überlassen wir unguten Gefühlen oder unangenehmen Erfahrungen zu lange das innere Feld. Wir lassen zu, dass sie weiterhin unsere Wahrnehmungen eintrüben, obwohl der auslösende Moment längst verstrichen ist. Wir sehen alles nur noch durch unsere dunkel eingefärbte Brille.

  • Wenn uns unsere Bedürfnisse aber auch Abneigungen nicht wirklich klar sind, bestimmen diese im Hintergrund dennoch stark, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen. Wir empfinden Neid oder auch Missgunst, und wissen nicht warum.

  • Jeder kennt es: Erst wenn wir uns mal ganz bewusst auf unsere Gesichtsmuskulatur besinnen und sie entspannen, spüren wir, wie angespannt sie in Wirklichkeit die meiste Zeit des Tages ist. Ohne bewusste Wahrnehmung trägt der Körper unsere Anspannungen und unseren Stress durch den Tag. Tagein. Tagaus. Irgendwann, wenn es ihm zu viel wird, meldet er Schmerz… erst dann schauen wir hin…

  • Die Einzigartigkeit des Lebens drückt sich in vielen besonderen Momenten aus. Die wärmende Sonne auf der Haut, der Wind in den Haaren, der Duft frisch gepflügter Erde oder das bezaubernde Konzert der Singvögel in den Morgenstunden. All diese kleinen Wunder lassen wir unbemerkt verstreichen, wenn wir durch unseren Alltag und letztlich auch durch unsere Leben rauschen wie ein ICE. 

  • Wenn wir nicht gut mit unserer inneren Welt verbunden sind, haben wir auch keinen Zugang zu unserer Intuition. Sie kann aber ein guter Navigator sein, wenn es um wichtige Entscheidungen in unserem Leben geht. Soll ich, oder soll ich nicht? Viel zu oft beantworten wir uns diese Frage losgelöst von unseren wahren Gefühlen. Im Nachhinein hadern wir dann mit unseren Entschlüssen.
Warum fehlende Achtsamkeit eine Krise verschärft

Zum Beispiel erleben viele Menschen in der Lebensmitte eine äußerst verunsichernde und belastende Zeit. Alles fühlt sich nach Umbruchstimmung an und das bisherige Leben wird in vielen Belangen in Frage gestellt. 

Es wird Bilanz gezogen, beruflich wie privat. Selten erschien der Alltag so bedrückend und wenig erfüllend wie nun plötzlich in dieser Phase. 

Der Zeitoptimismus bekommt erste Risse und die eigenen Grenzen werden sichtbar. 

Auch körperliche Veränderungen machen sich bemerkbar und erzeugen nicht selten inneren Widerstand. 

Der „Autopilot“ scheint mit einem Mal nicht mehr zu funktionieren und es stellt sich immer öfter die Frage in den Raum: Was erwarte ich eigentlich noch von meinem Leben?

Wie in einer kräftig durchgeschüttelten Schneekugel wird mit einem Mal alles aufgewirbelt und muss sich einen neuen Platz suchen. Das belastet viele und führt gelegentlich zu vorschnellen und sehr radikalen Maßnahmen. 

Wer jetzt nicht achtsam ist, kann den oft ziellosen und destruktiven Grübeleien kaum Einhalt bieten. 

Unzufriedenheit breitet sich aus und begräbt alles unter einer eher pessimistischen Betrachtungsweise. Was soll da schon noch Gutes kommen? Eigentlich ist doch alles schon gelaufen!…etc.

Die Folgen fehlender Achtsamkeit verschärfen das Krisengefühl erheblich jetzt. Denn wie beschrieben unterscheiden wir nicht mehr. Weder die Situationen, noch die Gedanken und Gefühle. Wir überlassen der Krise das Feld!

Das heißt aber auch im Umkehrschluss: Wem es gelingt, sich (wieder) achtsam mit seinem Inneren zu verbinden, hat beste Chance die Negativspirale anzuhalten und aus ihr herauszutreten.

Was braucht es, um achtsam sein zu können?

Achtsamkeit sollte nicht mit Entspannung oder einer eigenen Religion verwechselt werden.

Vielmehr ist sie eine grundlegende Einstellung dem Leben gegenüber und erfordert gewisse Geisteshaltungen.

  • Wir erfahren nichts über den Augenblick, wenn wir ihm nicht offen und neugierig begegnen. Wir können uns zum Beispiel die Frage stellen: „Was genau ist gerade außerdem noch hier, das ich nicht auf Anhieb wahrnehme?“ Wie ein Forscher, der etwas Neues entdeckt, können wir Augenblicke untersuchen, um neue Informationen zu erlangen.

  • Wenn wir uns bewusst vornehmen, wieder mehr mit unseren Herzen zu sehen, werden wir milder. Wir urteilen nicht mehr so hart – weder über uns selbst noch über andere. Nicht ohne Grund heißt es: Mit dem Herzen sieht man besser!

  • Ganz wesentlich ist auch eine grundsätzlich dankbare Haltung. Studien aus dem Bereich der positiven Psychologie haben nicht umsonst ergeben, dass das Führen eines Dankbarkeitstagebuchs wesentlich zu einer Verbesserung des emotionalen Wohlbefindens beiträgt. „Ich bin dankbar für all das gute in meinem Leben“, richtet den eigenen Blick wieder auf die Fülle und eben nicht allein auf den Mangel.

  • Anzunehmen was ist, ist sicher eine der schwersten Voraussetzungen, um Achtsamkeit zu praktizieren. Zu akzeptieren wie die Dinge vielleicht gerade liegen, unabhängig davon, ob uns das gefällt oder nicht, ist schwer. Zu verlockend ist unser Streben, gleich nach Lösungen zu suchen. „Es ist was es ist!“, können wir kaum erstmal so stehen lassen. Aber wenn wir das immer wieder üben, nehmen wir Einfluss auf unsere Reaktionen. Wir können besonnener handeln und finden so nachhaltigere Lösungen

  • Viele Meinungen und Einschätzungen haben wir ungeprüft und automatisch einfach so übernommen. Ebenso die generelle Absicht, alles überhaupt augenblicklich einordnen und somit bewerten zu wollen. Jetzt plötzlich genau damit aufzuhören, und sich auf das Nichtbewerten zu konzentrieren ist eine sehr große Herausforderung, die ehrlicherweise oft nur Fortgeschrittenen gelingt… Aber wenn der Versuch wenigstens dazu führt, dass wir den Mechanismus dahinter erkennen und beobachten, haben wir schon viel für uns gewonnen.

  • Ein Phänomen unserer Zeit ist unsere Bereitschaft, permanent nach Zielen zu streben und bei unseren Handlungen gewisse Absichten zu verfolgen. Achtsamkeit bedeutet aber genau das Gegenteil. Wem es gelingt, sich absichtslos und geduldig dem Moment hinzugeben, erfährt ein heilsames Gefühl von Erholung und tiefer Verbundenheit mit dem Hier und jetzt. Die Dinge entfalten sich oft zu ihrer eigenen Zeit. Wie heißt es so schön: Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht…

  • Wir sind Meister des Festhaltens. Leider auch von unschönen Empfindungen und Gedanken, die uns nicht guttun. Wenn wir lernen, bewusst loszulassen, schaffen wir Raum für neue, aktuellere Erfahrungen und leben im Hier und Jetzt.

  • Zu guter Letzt hilft eine gesunde Portion Humor dabei, die eigenen wenig hilfreiche Denkmuster aufzuspüren und sich so von ihnen zu lösen. Lachen befreit und versöhnt uns mit unseren manchmal ulkigen Angewohnheiten und Denkfallen.
Der erste Schritt

Achtsamkeit lernen – das kannst Du in Kursen vor Ort oder aber auch online von Zuhause aus.

Es empfiehlt sich zu Anfang unbedingt, Unterstützung zu suchen. Später, wenn Du geschult bist, wird es Dir leicht fallen, für Dich allein zu praktizieren.

Das Angebot ist vielfältig und sicher findest Du den Kurs, der auch zu Dir und Deinem Alltag passt. Denn eine grundsätzliche Voraussetzung haben alle: Damit sich die heilsame und wohltuende Wirkung Deiner eigenen Praxis entfalten kann, heißt es:  üben, üben, üben!

Ich berate Dich gerne weiter und begleite Dich auf Deinem Weg zu einem achtsameren Umgang mit Dir und Deinem Leben. 

Fazit

Die Lehre von der Achtsamkeit hat eine zutiefst heilsame und positive Wirkung. Sie erlaubt uns, uns klug um unseren Geist und Körper zu kümmern und aufmerksam auf unser Herz zu hören. 

Wir gewinnen die Möglichkeit der Kontrolle darüber, wie wir mit dem umgehen oder zurechtkommen, was innerlich und äußerlich geschieht. 

In Krisensituationen, wie zum Beispiel in einer Midlifekrise, kann praktizierte Achtsamkeit nachhaltig dabei unterstützen, den individuellen Ausweg zu finden. 

Allerdings sollte in ihr nicht das alleinige Wundermittel gegen Lebenskrisen gesehen werden. Auch eine Erwartungshaltung dahingehend, dass sie zu einer Verwandlung oder Lösung aller Sorgen und Symptome führen muss , steht einer vertieften Achtsamkeitspraxis sogar hinderlich im Weg. 

Was heißt das für Dich? 

Mache Dich auf Deinen Weg. Egal von wo aus Du startest, beginne damit, Deinen Blick wieder liebevoll auf Dich selbst zu lenken. 

Lass‘ Dich begleiten, wenn Du den Eindruck hast, zunächst noch ein paar Stolpersteine aus Weg schaffen zu müssen! Bringe auf diese Weise wieder mehr Leichtigkeit und Lebensfreude in Dein Leben! Starte durch und freue Dich auf Dich! Denn…..

„Wir sind hier, um glücklich zu sein!“ (Dalai Lama)

Herzlichst,

Deine Arlyn 

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