Alte Verletzungen bestimmen unsere Blickrichtung

Heute wird es mal persönlich!…

Wenn wir uns anschauen, wie weitreichend die Auswirkungen unserer frühkindlichen Prägungen sind, komme ich immer wieder ins Staunen. Leider machen wir uns diese Programme, die wir da mit auf den Weg bekommen haben, viel zu selten bewusst. Wir handeln zwar danach und wundern uns über die immer gleichen Stolpersteine in unserem Leben, aber nehmen es überwiegend doch einfach so hin. „So ist das eben!“ sagen wir uns und seufzen einmal tief…

Meine Schwester und ich…

Ich habe eine Schwester, die knapp fünf Jahre älter ist als ich. Schon meine Ankunft auf dieser Welt lehnte sie mit allem ab, was ihr in den jungen Jahren so zur Verfügung stand. Und glaube mir, das war einiges!

Sie zeigte wohl von Anfang an sehr deutlich ihre zutiefst ausgeprägte Abneigung gegen die Vorstellung, ihre Eltern von nun an teilen zu müssen. Die Rebellin in ihr war geboren und fortan gab es etliche Kleinkriege, die von ihr angezettelt wurden. Ich glaube bis heute ist dieser Teil in ihr sehr aktiv und steht ihr oft im Weg. Aber das betrifft ihre Prägung und ihre Geschichte, die hier nicht erzählt werden soll.

Vielmehr möchte ich von meiner berichten und wie diese bis zum heutigen Tag, bis zu diesem Moment, in dem ich an meinem Schreibtisch sitze und diese Zeilen schreibe, fortwirkt und mich – wenn ich nicht aufpasse! – am Glücklichsein hindert.

„Mich hat keiner gefragt, ob ich eine Schwester haben wollte!“

Später, als wir schon etwas älter waren, und diverse familiäre Eskapaden durchschritten hatten, wurde gelegentlich leichthin darüber gewitzelt, wie anstrengend doch diese ersten Jahre waren. „Ja, das ist wahr.“, erzählte meine Mutter dann, „Deine Schwester hat einmal versucht, Dich mit einem Kissen ins Jenseits zu befördern. Aber da warst Du noch ganz klein und wir kamen rechtzeitig hinzu!… Und einmal, ich kann mich gut erinnern, als wäre es gestern gewesen, Du hieltest gerade Mittagsschlaf (was wir immer zur eigenen Erholung sehr begrüßten!), baten wir sie die Musik leiser zu stellen… Sie sah mir in die Augen, als sie im gleichen Moment den Lautstärkenregler bis zum Anschlag aufdrehte!…Ja ja, so ist das gewesen!“ und es wurde weiter Kaffee getrunken und geplaudert.

Was in diesen Schilderungen recht überdeutlich zum Vorschein kam, erlebte ich selbst in meinen ersten Jahren auf viel subtilere Art. Ihre Ablehnung, die sich in manchen Phasen sogar bis hin zu regelrechtem Hass mir gegenüber steigerte, bescherte mir viele angstvolle und panische Momente. Über einen sehr langen Zeitraum war ich die Zielscheibe für ihre permanenten Anfeindungen, Beschimpfungen und leider auch tiefgehenden Erniedrigungen.

Meine Eltern litten selbst sehr unter dieser offenkundigen Haltung, konnten ihrer auch in anderer Hinsicht unheilvollen Entwicklung aber nichts entgegensetzen. Sie waren schlichtweg überfordert und es war zu der damaligen Zeit einfach noch nicht üblich, sich in diesen Dingen Hilfe zu suchen. Ich weiß meine Schwester hatte sicherlich aus ihrer  Sicht gute Gründe, weshalb sie nur in diesem Verhalten einen Ausweg für sich sah…Aber wie gesagt, das betrifft ihre Geschichte. Wir alle erleben unsere Kindheit in dem System Familie individuell.

Es war nicht die Zeit für Krisenmanagement

Es war die Zeit von Peter Weck und Ich heirate eine Familie. Es herrschte einfach allseits eine große Sehnsucht nach Harmonie und „heiler Welt“-Stimmung. Schwierigkeiten wurden lieber klein gehalten und innerhalb der Familie gelöst. Die Generation meiner Eltern ist selbst in eine Zeit geboren, in der es zunächst um andere Dinge ging, als um den achtsamen Umgang mit Bedürfnissen und Konflikten. Woher sollten sie es also beherrschen? Und dafür haben Sie es gut gemacht und vor allem, in Liebe und nach bestem Wissen und Gewissen.

Irgendwann war ich ihr körperlich überlegen und schaffte es in einem mir unvergesslichen Moment, mich ihr gegenüber zu behaupten und abzugrenzen. Aus Rücksicht möchte ich dieses Ereignis hier nicht näher beschreiben. Entscheidend ist, dass das der Moment war, in dem ich meine Selbstwirksamkeit das erste Mal ganz bewusst wahrgenommen habe. Das war mit 14 Jahren!

Ich machte mich auch sonst auf meinen Weg. Das Leben ging mir von der Hand und ich hatte eine recht gute Zeit. Unsere Familie funktionierte nicht weniger gut als viele andere Familien dieser Zeit auch. Es gab immer mal wieder Spannungen, aber wir rauften uns zusammen und hatten irgendwann eine allgemeine Gebrauchsanweisung, die uns half, Zusammenkünfte möglichst unbeschadet und friedlich abzuhalten. Die Jahre vergingen.

Das Verhältnis zu meiner Schwester veränderte sich immer mal wieder. Wir hatten intensivere Phasen des Kontakts aber dann auch wieder jahrelang gar keinen. Es gab auch weiche, zarte Momente und Gespräche, die an der Oberfläche dessen kratzten, was wir beide so eisern unter Verschluss zu halten versuchten: Die ersten Jahre als Geschwister.

Erwartungen und Sehnsüchte auf der einen Seite, Verletzungen und Mangel auf der anderen Seite. Es war stets der Tanz auf dem Vulkan, ohne Vorwürfe und ohne Bewertungen zu kommunizieren. Das ist es manchmal noch bis heute!

Meine eigenen Stolpersteine

Da Du jetzt einen kleinen Einblick in meine frühe Kindheit hast, möchte ich Dir auch nicht vorenthalten, welche Folgen sich daraus für mich ergeben haben.

Vielleicht kann ich Dir damit verdeutlichen, wie unendlich wertvoll es für das eigene Leben sein kann, wenn man sich mit seiner eigenen Geschichte achtsam und liebevoll auseinandersetzt. Dafür gibt es keinen geeigneteren Zeitpunkt, als immer genau jetzt

Ich hatte auch das Glück in einer kompetenten Begleitung meine wiederkehrenden Stolpersteine und deren Ursachen sorgfältig aufzuspüren. Nachdem ich sie verstanden habe, durfte ich Strategien erlernen, sie in Liebe gehen zu lassen und stattdessen mit hilfreicheren Überzeugungen zu überschreiben.

Das hat viel Frieden und Heilung in mein Herz einziehen lassen.

Denn dass ich noch an den alten Verletzungen und Ängsten der frühen Kindheit zu knabbern hatte, war mir so nicht bewusst und zeigte sich im Alltag in ganz anderen Zusammenhängen.

Zum Bespiel im Perfektionismus. Jahrelang war ich nahezu in allen wesentlichen Bereichen meines Lebens von der inneren Überzeugung angetrieben, alles absolut gewissenhaft und möglichst perfekt machen zu müssen. Schon früh brachten mir herausragende Schulnoten die zuverlässige Anerkennung meiner Eltern. Ich brachte somit den Beweis ein, dass die Annahme meiner Schwester, ich wäre besser nicht auf dieser Welt, nicht stimmen sollte. Das mich diese Art zu leben aber an den Rand der Erschöpfung brachte, erkannte ich erst sehr viele Jahre später. Gleichzeitig vertiefte sich dadurch der Graben zwischen uns und ich zog Ihren Zorn und ihre Ablehnung nur noch mehr auf mich.

Eine weitere Ausprägung, die ich erst später über mich erfuhr, betraf den Umgang mit Freundinnen. So eine richtig beste Freundin hatte ich eigentlich nie und wenn sie etwas Derartiges anbahnte, witterte ich überall Gefahr und blieb zur Vorsicht eher distanziert. Ich hatte gelernt alles mit mir allein auszumachen. Wo andere vielleicht gemeinsam im Pyjama die ersten relevanten Themen teilten, zog ich es vor, mich besser nicht anzuvertrauen. Das hat mich zwar nicht nachhaltig belastet, aber aus heutiger Sicht hätte ich sicherlich etwas freier und glücklicher agieren können. Ich hatte einfach nicht, gelernt zu vertrauen. Das habe ich nachgeholt! 

Außerdem begleitete mich jahrelang unbewusst der hinderliche Glaubenssatz: „Du störst, bist unerwünscht – und es gibt keinen guten Grund dafür, dass es Dich gibt!“

Folglich blieb ich lieber für mich.

Guter Grund, sich auf den Weg zu machen sind eigene Kinder!

Ein letztes Beispiel möchte ich anbringen, welches nochmal unterstreicht, dass es nie zu spät ist, sich auf den Weg der Heilung zu begeben. Auch und gerade im Interesse Dritter…

Ich habe zwei Kinder im Abstand von zwei Jahren. Nicht nur nachdem andere mich darauf hingewiesen hatten, wurde mir schnell klar, dass sich ein ungesundes Muster zeigte…Wie eine Löwin und teilweise völlig überzogen setzte ich mich für die Interessen meiner Zweitgeborenen ein. Warum das so war, überrascht aus heutiger Sicht natürlich nicht. Mit Argusaugen meinte ich über ihre seelische Universehrtheit wachen zu müssen. Schließlich habe ich nie gelernt, wie sich Geschwister normalerweise untereinander verhalten. 

Doch es drohte gar keine reale Gefahr. Mein älterer Sohn machte keinerlei Anstalten, sich meiner Tochter gegenüber ähnlich toxisch zu verhalten, wie ich es früher erlebt hatte. Trotzdem glaube ich heute, war ich oft ungerecht zu ihm. Das konnten wir glücklicherweise innerhalb unserer Familie aufarbeiten.

Auch darin sehe ich rückwirkend für mich einen wertschätzenden und heilsamen Effekt.

Noch heute ertappe ich mich dabei, wie ich alten Verhaltensmustern oder wenig hilfreichen Denkfallen erliege. Kein Wunder – denn was sich jahrzehntelang etabliert hat, lässt sich nicht einfach so abstellen von heute auf morgen. Aber ich habe die Praxis der Achtsamkeit für mich entdeckt und verinnerlicht. Ich erkenne auf diese Weise schnell, wenn ich wieder „falsch abbiege“ und kann meinen Kurs zügig korrigieren. Ich habe dadurch mein Lebensglück und meine Zufriedenheit wiedererlangt und fühle mich handlungsfähiger als jemals zuvor.

Warum ich Dir das erzähle

Ich habe Dir diese persönliche Geschichte erzählt, um Dir Mut zu machen.

Wer sich auf die Spurensuche seiner frühkindlichen Prägung begibt, erfährt viel Lehrreiches und Wertvolles über sich.

Wir sind hier, um glücklich zu sein, dann sollten wir das auch mit all unseren Mitteln in die Hand nehmen.

Spätestens in der Lebensmitte solltest Du deswegen mal innehalten und dich fragen, wie selbstbestimmt und frei Du wirklich bist. Wer oder was zieht da vielleicht noch unbemerkt Deine Strippen?! Was davon soll in Deinem Leben bleiben, weil es sich vielleicht bewährt hat, aber was darfst Du auch in Liebe verabschieden?

Wir sollten nicht zulassen, dass uns limitierende (oft selbstauferlegte) Glaubenssätze daran hindern, am Buffet des Lebens herzhaft zuzugreifen und glücklich zu sein, meinst Du nicht auch?…

Wir alle kommen dann in unsere magische Kraft und Selbstliebe, wenn wir erkannt haben, was uns tief in unserem Inneren bewegt. Das können auch alte Verletzungen sein, die Deine vorbehaltlose Aufmerksamkeit benötigen, um zu verheilen.

Auch geht es nicht um Schuld oder Vorwürfe, sondern deinetwillen um Annahme und Vergebung.

Wenn Du magst, begleite ich Dich auf Deinem Weg zu Deinen Erkenntnissen.

Meine eigenen Erfahrungen und meine zusätzlich erworbenen Kompetenzen im Bereich psychologische und systemische Beratung helfen Dir, Dich zu orientieren und liebevoll das anzunehmen, was schon lange ein Teil von Dir ist.

Ich freue mich auf Dich! Gerne vereinbarst Du Dein kostenloses Erstgespräch und wir lernen uns ganz unverbindlich kennen.

Herzlichst,

Deine Arlyn 

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