Das einzig Perfekte ist, nicht perfekt zu sein

Zugegeben, angetrieben zu sein, alles richtig super machen zu wollen, kann auch Vorteile haben. 

Der Drang zu Perfektionismus kann uns das Leben aber auch ganz schön schwer machen. 

Wenn Du DIch in den folgenden Aussagen wiederfindest, könnte dieser Beitrag interessant für Dich sein….

  • Wenn ich eine Arbeit mache, dann mache ich sie gründlich
  • Ich mache nichts halbherzig, sondern gebe immer mein Bestes
  • Ich habe Mühe Leute zu akzeptieren, die nicht so genau sind wie ich
  • Ich liefere meine Arbeit erst ab, wenn ich sie mehrmals überarbeitet habe
  • Ich sollte viele Aufgaben noch besser erledigen
  • Ich kümmere mich besser auch persönlich um Kleinigkeiten
  • Ich drücke mich gerne strukturiert aus (z.B. mit 1……2…….3…….)
  • Mein Gesichtsausdruck ist wohl öfter eher ernst
  • Ich versuche die an mich gestellten Erwartungen zu übertreffen 
Was sind innere Antreiber?

Innere Antreiber sind Botschaften und verinnerlichte Lebensregeln, die unsere Entscheidungen und Verhaltensweisen häufig unbewusst beeinflussen. Inwieweit wir sie in unsere Persönlichkeit integrieren, hängt von unseren frühen Kindheitserfahrungen und Prägungen dazu ab. 

Das Konzept der inneren Antreiber umfasst fünf Verhaltensmuster:

  1. Perfektionismus („Sei perfekt“)
  2. Schnelligkeit („Beeil dich“)
  3. Anstrengung („Streng dich an“)
  4. Harmonie („Sei gefällig“)
  5. Stärke („Sei stark“)

Sie beschreiben also grundsätzlich Fähigkeiten, die uns zur Verfügung stehen können, um unsere Ziele zu erreichen. Dahinter steht insofern zunächst eine gute Absicht. 

Wie in vielen Bereichen, gilt aber auch hier: Die Dosis macht das Gift!

Wenn wir Tendenzen entwickeln, einem der Antreiber das Zepter zu sehr zu überlassen, laufen wir Gefahr ihn damit zum Regisseur des eigenen Lebens zu machen.

Gerade in Bezug auf Perfektionismus kann das gravierende Folgen für unsere psychische Gesundheit und die allgemeine Lebenszufriedenheit ausprägen.

                                                            Perfekt unter Druck gesetzt!

Menschen, die vor allem diesem Antreiber folgen, haben eine ganz bestimmte innere Haltung. Die verinnerlichte Überzeugung in allem perfekt sein zu müssen, treibt sie zu Höchstleistungen an.

Das macht sie zum einen zu zuverlässigen Experten, deren Gründlichkeit außerordentliche Arbeitsergebnisse erzielt. Was sie in die Hand nehmen, wird in der Regel auch etwas.

Zum anderen investieren sie aber unverhältnismäßig viel Zeit in die Dinge, die folglich an anderer Stelle fehlt. Sie verheddern sich und beginnen viele Arbeiten immer wieder neu, weil der eigene Anspruch das so verlangt.

Perfektionisten fehlt oftmals die Fähigkeit den Fokus auf die wesentlichen Aspekte zu behalten. Zum Beispiel wird vielleicht weniger Zeit auf den Inhalt als vielmehr auf die Form einer Präsentation gelegt. 

Der hohe Anspruch an sich spannt sich über alle Lebensbereiche. Demzufolge wird nicht nur im Beruf, sondern auch privat alles bestmöglich erledigt. 

Und weil oftmals die Überzeugung besteht, besser alles selbst zu übernehmen, werden auch keine Aufgaben delegiert.

Nach außen hin versetzen Perfektionisten ihr Umfeld deshalb regelmäßig in großes Staunen. Angesichts des Anscheins der  präsentierten Vollkommenheit, erscheinen die eigenen Fähigkeiten dagegen eher unzulänglich. 

„Erfolgreich im Beruf, blitzblank geführter Haushalt, gut erzogene Kinder und dann noch regelmäßig die Laufrunde…..Wie macht er/sie das nur?“……

Wo viel Licht, da auch viel Schatten

Wenn Perfektionisten auch vielleicht nach außen als beeindruckende Lebenskönner wahrgenommen werden können, wird dabei aber etwas Entscheidendes übersehen. 

Dem ausgeprägten Drang, alles perfekt machen zu wollen, wohnt oftmals der Vermeidungswille einer großen Angst inne. Anders als viele denken mögen, beruht das Verhalten nämlich keineswegs auf einer freien Entscheidung.

Jeder gemachte Fehler hat direkten Einfluss auf den Selbstwert. Unterschwellig werden Menschen, bei denen dieser Antreiber besonders ausgeprägt ist, von dem Gefühl begleitet, als Person nicht zu genügen, wenn sie nicht immer ihr Bestes geben. 

Deswegen darf unter keinen Umständen etwas schiefgehen. Perfektionisten spielen im Vorfeld mögliche Szenarien durch, um vorbereitet zu sein. Nichts wird dem Zufall, und damit einem eventuellen Scheitern, überlassen. 

An diesem Punkt wird deutlich wie anstrengend die destruktive Seite dieses Antreibers wirken kann. Das Leben ist stets im Wandel und eben nicht immer vorhersehbar. 

Ein weiterer Gedanke, warum es erstrebenswert sein kann, sich aus dem Würgegriff des „mach’s perfekt“ zu befreien, ist die eigene Lebensqualität.

Ein zu hohes Maß an Selbstdisziplin ist der Feind für Ausgelassenheit und Spontaneität. Wenn alles Streben unter das Ziel geordnet wird, alles sogar besser als optimal umzusetzen, ist keine Zeit auch einmal „Fünfe gerade sein zu lassen“.  

Das ist aber das, was unsere Seele auch von Zeit zu Zeit benötigt. Einfach nicht immer nur zu „leisten“, sondern mit Wonne auch mal herrlich unperfekt sein zu dürfen und das Leben in vollen Zügen zu genießen – gerade auch in der Unvollkommenheit.

                                                          Die eigenen Ketten lösen

Mal ehrlich, so ein bisschen perfekt ist ja gar nicht so ganz verkehrt, oder …? So ganz will man ihn ja gar nicht verteufeln, den Unhold der Perfektion. Aber so völlig losgelassen, richtet er eben doch eher Schaden an, als  dass er uns hilfreich zur Seite steht. 

Neben einer möglichen Überforderung, die schon so manchen in Richtung Burn-Out geschubst hat, trennt er uns einfach von einer liebevollen Verbindung zu uns selbst. 

Für alle Eltern unter uns, sei auch der Gedanke erwähnt, dass wir ja nun in dieser Rolle ebenfalls prägen. Wer möchte schon, dass sein Kind die eigenen wenig hilfreichen Denkmuster übernimmt?! Vielmehr wünschen wir uns doch, unseren Kindern Vorbild für ein möglichst gelingendes Leben zu sein.

Wie können wir also den destruktiven Anteil des inneren Antreibers „sei perfekt“  bestimmt, aber nicht abwertend in seine Schranken verweisen?

                                                        7 Tipps zur Selbstfürsorge

  1. Entdecke die Quelle. Woher glaubst Du, hast Du diese besondere Prägung? Wann hast Du das erste Mal besondere Anerkennung für eine außerordentliche Leistung bekommen? Was hat das mit Dir gemacht? Und was bedeutete das für Dein weiteres Leben?

  2. Wertschätze die gute Absicht dieses inneren Antreibers. Freue Dich über Deine Begabung, Dingen den Hauch der Vollkommenheit verleihen zu können. Was hat er Dir auch ermöglicht?

  3. Erweitere Deine Überzeugung.  Baue Dir sogenannte Erlaubnissätze in Dein Bewusstsein:

    • Du bist gut genug wie Du bist!“
    • „Du darfst Fehler machen, daraus kannst Du lernen!“
    • „Andere dürfen auch Fehler machen!“
    • „Sei nicht perfekt, aber dafür Du selbst!“

  4.  Trainiere im Alltag. Sage Dir diese Sätze abends und morgens selbst auf. Vielleicht erinnerst Du Dich mit einem Post-it am Spiegel daran? Manchen nützt auch ein „Anker“ in der Hosentasche, um sich tagsüber immer wieder daran zu erinnern. Das kann zum Beispiel eine kleine Figur oder ein Stein sein (sehr hilfreich, wenn er einen Makel aufweist…eben unperfekt ist!)

  5. Nimm es leicht und humorvoll. Gerate jetzt nicht in die Umkehrfalle. Versuche nicht perfekt unperfekt zu werden! Sei nachsichtig mit Dir und gönne Dir ein Schmunzeln über Dich selbst, wenn Du Dich wieder in einer einschlägigen Situation wahrnimmst. Es wird Zeit brauchen, dieses Muster zu lösen.

  6. Erlebe neue Momente, in denen Dir eine Veränderung geglückt ist, ganz bewusst. Koste es aus – das neue Gefühl der Freiheit und bleibe neugierig, was es bewirkt!

  7. Sei gut zu Dir und nimm (wieder) Verbindung zu Dir auf. Hier helfen Achtsamkeitsübungen, über die Du Dich vielleicht auch von einer ganz neuen Seite kennenlernen darfst. 

Innere Antreiber lotsen uns durch unser Leben und meinen es gut mit uns. Manchmal geraten sie dabei in Übereifer und es liegt dann an uns, dies zu korrigieren. 

In einem Coaching erfährst Du mehr über Deine inneren Antreiber und wie Du Dich mit ihnen hilfreich verbinden kannst.  

Mache Dich auf Deinen Weg zu mehr Lebensfreude und Selbstbestimmung. 

Herzlichst,

Deine Arlyn 

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