Warum wir uns selbst entwerten, wenn wir Dinge aufschieben

Mit Sicherheit kennst Du das auch:…. Ob es das Lernen für eine Prüfung ist, die überfällige Entrümpelung des Kleiderschranks oder der längst fällige Rückruf bei der  Freundin – wir wissen, dass es unbedingt ansteht, aber verschieben es immer weiter nach hinten. Wie hoch der innere Druck dabei anwächst, hängt damit zusammen, ob es für diese Aufgabe eine Deadline (z.B Abgabe der Steuerunterlagen oder ein Prüfungstermin) gibt, oder ob es lediglich innere Überzeugungen sind, mit denen wir uns das Leben schwermachen. So nach dem Motto: „Ich müsste/sollte mal wieder….usw.

Immer wieder meldet sich die innere Stimme und appelliert an unser Gewissen, aber da uns im Alltag die Aufgaben nur selten ausgehen, finden wir meistens eine Beschäftigung und damit einen Grund, in diesem Augenblick eben nicht mit unserer eigentlichen Aufgabe beginnen zu können/müssen.

Wer für eine Prüfung lernen muss hat aus diesem Grund zu der Zeit meist die sauberste Wohnung mit vollständig erledigter Wäsche inclusive sauberer Fenster. Pest oder Cholera – wir wählen also häufig eine Ersatzhandlung, die wir auch nicht gerne tun, aber eben immer noch lieber.

Daran ist ja zunächst auf den ersten Blick nichts auszusetzen, denn wer hat nicht gerne eine aufgeräumte Wohnung oder ein frisch poliertes Auto?

Wenn damit auf der anderen Seite nicht dieser entwertende Blick auf uns selbst wäre.

Dadurch dass wir Entscheidungen oder Handlungen vor uns herschieben, bleiben sie quasi permanent in unserem Bewusstsein und verbrauchen ein Vielfaches der Energie, die sie verbrauchen würden, wenn wir sie gleich erledigen würden.

Gleichzeitig blockieren sie unser gesamtes Handeln, denn innerlich folgen wir oftmals der Überzeugung, dass uns etwas Gutes oder eine belohnende Erfahrung erst zusteht, wenn wir dieses oder jenes erledigt haben.

Mit anderen Worten heißt das, dass wir einen Teil von uns solange ablehnen, bis wir wieder friedlich mit uns sein können, weil wir die Aufgabe erledigt haben.

Das nenne ich erfolgreiche Selbstsabotage!

In ausgeprägten Fällen kann diese Art der Selbstablehnung sogar zu körperlichen Beschwerden führen. Etwa Schlafmangel oder Unruhezustände können abbilden, was sich im Inneren bei uns tut.

In der Psychologie gibt es einen Fachbegriff für das Phänomen, Dinge immer wieder vor sich herzuschieben – Prokrastination!

Danach handelt es sich dabei um eine Störung, die durch ein unnötiges Vertagen des Beginns oder durch Unterbrechen von Aufgaben gekennzeichnet ist, sodass ein Fertigstellen nicht oder nur unter Druck zustandekommt. (Quelle: Wikipädia) 

Klingt so sperrig wie es sich anfühlt, oder? Wir sperren uns selbst ein in ein Gefängnis von limitierenden und bedrückenden Gefühlen, obwohl wir den Schlüssel in die Freiheit und damit in die Zufriedenheit eigentlich in uns selbst tragen.

Warum tun wir es also? 

Der Grund für dieses Verhalten sind negative Gefühle, die wir mit dem Schieben zu vermeiden suchen. Auch wenn wir uns dadurch massiv in unserem eigenen Radius einschränken.

Die 7  häufigsten Ursachen, warum wir Dinge aufschieben:
  1. Der eigene Anspruch                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       Die Perfektionisten unter uns kennen es:  Der innere Antreiber „Mach’s perfekt“ ist ein Druckmacher der besonderen Art. Die latente Gefahr einer möglichen Unvollkommenheit lähmt und kann regelrecht bedrohlich wirken.  Perfekt ist aber anerkanntermaßen der Feind von gut! Höchste Zeit seinen inneren Antreiber an die Leine zu nehmen und ihn bestimmt in seine Schranken zu weisen (mehr dazu Blogbeitrag das einzig perfekte ist nicht perfekt zu sein). Wir dürfen uns erlauben, nicht perfekt zu sein.

  2. Angst zu Scheitern

    Wir haben uns konditioniert, negative Gefühle möglichst zu vermeiden. Wie fühlt sich Scheitern an? Jeder hat hier individuelle Erfahrungen gespeichert. Leider sind wir hierzulande darauf geprägt, dass zu scheitern etwas Negatives ist. Dass in jedem Fehlversuch aber auch eine große Lernchance für uns liegen kann, blenden wir dabei aus. Daher konzentrieren wir uns nicht auf kreative Lösungen und neugieriges Experimentieren, sondern lediglich auf Erfolg. Aus Angst zu scheitern aber gar nicht erst zu beginnen, kommt dem Druckgefühl eines Scheiterns bereits sehr nahe. Im Ergebnis fühlen wir uns gleichermaßen schlecht und schwächen dadurch aktiv unseren Selbstwert.

  3. Fehlende Kompetenz

    Auch wenn uns für die Erledigung einer Aufgabe tatsächlich noch erforderliche Informationen fehlen, widmen wir uns gerne erstmal anderen Bereichen, für die wir uns bereits kompetent fühlen. Der Grund dafür ist einfach: Wenn wir uns offiziell die nötigen Informationen und Unterstützung einholen, geben wir damit offenkundig zum Ausdruck was wir eh schon über uns denken: „Wir sind nicht gut genug und wir dürfen uns auf gar keinen Fall etwas zutrauen!“ – In dieser Haltung steckt wiederum ein gehöriger Selbstwerträuber, denn wer sagt denn, das wir erst genug sind, wenn wir alles können? Jemanden um Rat und dessen Wissen bitten zu können, ist vor diesem Hintergrund doch die eigentliche Ressource und eben kein Makel.

    Gleichzeitig dürfen wir uns an Situationen erinnern, in denen wir das Problem oder ähnliche Herausforderungen schon einmal gelöst haben. Wenn wir uns regelmäßiger an unsere Fähigkeiten erinnern würden, könnte es sein, dass wir es nicht mehr schaffen uns hilflos zu fühlen…

  4. mangelnde Motivation/Bedeutung

    Manche Aufgaben werden von uns überwiegend als lästig und sinnlos zeitraubend empfunden. Entweder weil wir selbst kein Interesse an der Erfüllung oder aber die Aufgabe selbst nur eine geringe Wichtigkeit besitzt. Wir haben einfach keine Lust uns damit zu beschäftigen, schieben es weiter vor uns her und stärken damit die uns bedrückende Wirkweise der Nichterledigung…Um diesen Effekt zu unterbrechen, stellt sich die Frage, welche und wessen Erwartungen überhaupt an diese Aufgabe geknüpft werden. Hier besteht die Selbstfürsorge darin, dass ich mich frage, was ich selbst möchte und wie ich mich nach außen selbstwirksam abgrenzen kann. Vielleicht stehen mir dabei noch andere Glaubenssätze im Weg (wie z.B. „mach es allen recht“?), die mich in meiner Persönlichkeitsentfaltung einschränken? Indem ich meine Prioritäten bestimme, kann ich mich davon behutsam lösen.

  5.  Kurz vor 12 !

    Wer in seiner Vergangenheit die Lernerfahrung gemacht hat, dass es ausgereicht hat auf den letzten Drücker Gas zu geben, kann daraus ein Muster ausgebildet haben. Er schiebt die Dinge vor sich her, weil er ja eigentlich weiß, dass er das kann. Dennoch drückt die innere Stimme weit im Vorfeld und meldet immer wieder den Countdown. Der Restzweifel und die Möglichkeit einer ersten Ausnahme von der Regel beunruhigen dann doch und die ersehnte innere Coolness bleibt aus. Zum Schluss wird es eben doch noch hektisch und die bereits unterschwellig verbrauchte Energie des Vorsichherschiebens wird eigentlich jetzt dringend benötigt. Hilfreicher könnte es sein doch früher mit der Erledigung zu beginnen, dabei aber den Erfahrungswert der Notressource als zusätzlich stärkenden Faktor zu integrieren und wertzuschätzen („auch wenn ich nicht unbedingt müsste, fange ich bereits jetzt an, um es mir damit gutgehen zu lassen…“)

  6. Zu viele Bälle in der Luft?

    Wer nicht mehr Herr oder Frau seiner Organisation ist, löscht jeweils nur die Brandherde, die gerade die höchsten Flammen schlagen. Daraus folgt ein Zeitmanagement nach Dringlichkeit und eben nicht nach gesteuerter Organisation. Die Aufmerksamkeit auf die jeweilige Handlung wird dabei aber unterbewusst immer wieder durch den nagenden Fälligkeitsgedanken der anderen Aufgabe gestört. Wir verzetteln uns und bekommen ein Gefühl von „ich mache nichts richtig und ich mache nichts zu Ende“… Auch nicht gerade ein Booster für den eigenen Selbstwert….Wir laufen Gefahr zu resignieren oder schlimmer – irgendwann im Burn – out die Notbremse ziehen zu müssen.

    Organisation und Zeitmanagement kann man lernen, was darüber hinaus eine große Investition in Sachen Selbstwert bedeuten kann. „Ich bin es mir wert zu lernen, wie ich meine Zeit besser für mich nutzen kann.“

  7.  schlimmer als es ist                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         Ein weiterer unangenehmer Effekt, Dinge vor sich herzuschieben ist, dass unser Unterbewusstsein uns gerne einen Streich spielt. Indem wir den ersten Schritt in Richtung Erledigung eben nicht machen, öffnen wir unserem inneren „Münchhausen“ Tür und Tor. Je mehr Zeit vergeht, umso unmöglicher oder aufwändiger erscheint uns der erste Schritt. Die negativen Gefühle, die wir mit der Erledigung verbinden, überzeichnen und verzerren uns den realistischen Blick. Aus einer eigentlich simplen Handlung wird ein nur schwer zu bewältigender Kraftakt in unserer Vorstellung, der uns natürlich erst recht zurückschrecken lässt. Hier ist es hilfreich, sich wirklich zu fragen, ob es angemessen ist, dem Ganzen so viel Raum zu geben. Ein bisschen mehr „Augen zu und durch“ hilft schnell dabei, den Irrtum der Unmachbarkeit auffliegen zu lassen. Auf diese Weise können wir uns wieder in Fluss bringen und uns von unangenehmen Gefühlen lösen. Der erste Schritt bringt uns wieder auf Kurs und bestärkt uns positiv in unserer Selbstwirksamkeit.

Die „Aufschieberitis“ hat wie man sehen kann eigentlich nur einen Effekt: Wir fühlen uns schlecht und unzufrieden. Höchste Zeit dieses wenig hilfreiche Muster zu verändern. 

Die gute Nachricht: Das gelingt leichter, als Du jetzt vielleicht denkst! 

Wenn Du Deinen inneren „Aufschieber“ loswerden willst, helfe ich Dir sehr gerne dabei! 

Herzlichst,

Deine Arlyn 

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